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Tropische Ideen für die Bamboo Bar

Biru Bee alias Christoph Haller, DJ, Produzent, Mitinhaber des Clubs Bonsoir und zweite Hälfte des Berner Duos «Round Table Knights» gestaltet das erste Mal am Gurtenfestival das DJ-Programm der Bamboo Bar. Ein Gespräch über Roots, die Erfindung des «Tropical» und warum die eigentliche Frage ist, wie etwas weitergeht und nicht, wo etwas herkommt.

Worauf kommt es in der Bamboo Bar an, wenn es um das DJ-Programm geht und an welcher Stelle kannst du innovativ sein?
Ich möchte eine Oase schaffen, an der sich die Leute gerne aufhalten, Musik hören und auch neue Sachen entdecken. Es wird in der Bamboo Bar nicht nur ein Sound gefahren. Ich finde, dass es in Bern sehr viele gute DJs gibt, und man muss nicht von sonst woher DJs einfliegen. Ein Zückerli ist aber immer dabei. Ich möchte DJs haben, die eklektisch spielen, breit aufgestellt sind und auf die Situation eingehen können. Ist es heiss, regnet es, ist es Nachmittag, am Abend? – alles komplett unterschiedliche Situationen.

Ich bin überrascht, wie offen und locker die Atmosphäre hier oben ist. Man fragt sich allerdings: Warum fängt gerade jetzt in diesem Augenblick jemand an zu tanzen? Es hat etwas von Insekten-Logik.
Ich mache seit acht Jahren im Bonsoir das Programm. Du kannst nie wissen, was passiert. Plötzlich ist er da, der Faktor X. Hier in der Bamboo Bar muss der DJ in der Lage sein in 90 Minuten zwischen den Konzerten der Zeltbühne Atmosphäre zu kreieren. An einem Festival läuft es noch einmal anders als in einem Club, wo man die ganze Nacht spielt, denn die Leute an einem Festival  finden, sie wollen jetzt und hier und sofort unterhalten werden. Da kannst du es vergessen mit der Dramaturgie oder sie auf eine Reise mitnehmen zu wollen. Es muss «fäge». Sofort.

Der DJ müsste eigentlich genauso wichtig sein wie ein Live-Act, dass die Leute nur seinetwegen kommen?
Ein DJ hat aus meiner Sicht das gleiche Gewicht wie eine Live-Band. Deshalb war es für mich auch so spannend zu sehen, was da gestern ein Kygo gemacht hat.

Dann sollten die Berner DJs doch einfach auf der Hauptbühne spielen.
(Er lacht.)

Wird euer Publikum, wenn Ihr mit den Round Table Knights unterwegs seid, eigentlich auch jünger oder altert Ihr mit eurem Publikum? Es ist doch erstaunlich zu sehen, wie lange es nun schon die elektronische Tanzmusik gibt.
Wir werden älter und das Publikum jünger. Alle zwei Jahre taucht im Club eine neue Generation auf. Ich schaue immer, wo die Kids sind, die die Tradition weiterziehen wollen, die hungrig sind. Manchmal dauert es mehrere Jahre, wieder jemanden zu finden, und eben nicht nur die Leute, die sagen, ich find’s cool, ein DJ zu sein. Ich sag das selber auch nicht von mir. Ich finde, das klingt billig.

Hast du einen jungen Act programmiert?
Am Sonntag legen die 3Hunna6 auf, das sind 20jährige Jungs aus Bern, die spielen das neue Trap HipHop-Zeugs, den amerikanischen HipHop (Er macht es vor.) Sie haben eine eigene Sprache, eigene Tanzbewegungen. Wenn die auftreten, dann kommen alle Kids und drehen durch. So etwas gibt es nur alle paar Jahre. Bei mir war es damals der New Rave. In der Dampfzentrale haben wir uns glitzerig angemalt, superhässliche Skijacken angezogen, und dann Vollgas Rave. Das Lustige ist, die HipHop-Jungs finden jetzt schon, dass sie langsam genug haben und fangen wieder mit House an. Ich hab’s erst nicht geglaubt und hab sie gefragt, was macht Ihr denn? Es wiederholt sich alles. Die Roots sind immer da.

Sind die Round Table Knights ein Schweizer Qualitätsprodukt, das wie Schokolade oder Uhren in den Export geht oder eher wie Schweizer Wein, den die Schweizer selber austrinken?
Geile Frage. Es ist ein Zwischending, aber wir haben uns schon einen Namen gemacht. Was Kygo gestern Abend gemacht hat, das nennt man in den Medien «Tropical». Unser erfolgreichstes Stück war «Calypso» und in den Medien stand, dass wir die Erfinder von «Tropical» seien. Ein Veranstalter aus Bejing schrieb mir letztens, wir müssten mal wieder kommen, weil unsere Musik wieder total angesagt sei. Ich hab ihn gefragt, welche er meinte, er sagte: «Tropical». Angeblich seien wir Pioniere gewesen.

Dann seid Ihr jetzt Roots.
Ja, es wird Zeit für einen Wikipedia-Eintrag.

«Wer war zuerst da?» – das ist die spannende Frage?
Das ist nicht die spannende Frage. Spannend ist: Was macht man damit? Wie geht etwas weiter? Zum Beispiel auch hier, mit der Bamboo Bar.

Wo hast du diese Denke gelernt?
Das ist so ein Grundprinzip. Beispiel: Mein Vater hat immer Queen gehört in der Zeit, in der ich mit HipHop angefangen habe. Ich wusste damals noch nicht, was Sampling ist. Es gab dieses Vanilla Ice-Stück, «Ice Ice Baby», und ich hab mich gefragt: Wieso hört mein Vater jetzt Vanilla Ice?

Wenn dich jemand fragt: Was machst du in deinem Leben? Was ist dein Beruf? Was sagst du dann?
Ich sage: Ich mache diverse Sachen, die mit Musik zu tun haben. Und wenn sie es genauer wissen wollen, dann versuche ich ihnen zu erklären, dass ich Booking im Bonsoir mache, Mitinhaber bin, selber Musik produziere und spiele.

Du sagst nicht, du seist ein DJ?
Ich erwähne es so lange nicht, bis es jemand ausspricht, und dann wehre ich mich nicht.

Interview: Helge von Giese
Foto: Sandra Blaser